Nach der Landesversammlung der Grünen am Samstag bin ich mit meinen "großen" Kindern am Sonntag in der Früh zu einer längeren Radltour aufgebrochen und gestern Abend müde heimgekommen.

Darum berichte ich erst heute von der Landesversammlung, die ich alles in allem als sehr gelungen bezeichnen möchte. Die EURAC ist ein sehr passender Rahmen für Versammlungen dieser Art und wir hatten mit rund hundert Teilnehmern und 79 abstimmenden Mitgliedern einen akzeptablen Besuch.

Klaudia Resch und Marco Dal Bosco haben die Versammlung gut geleitet, die Stimmung war aufgeräumt und herzlich und die Debatten waren samt und sonders konstruktiv und knackig, was bei den grünen Landesversammlungen nicht von vorne herein gesagt sein muss.

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Marco Dalbosco und Klaudia Resch bestanden rigoros auf der Einhaltung der Redezeit - für Grüne eher was Neues...

Sepp Kusstatscher war die Aufgabe zugefallen, die Landesversammlung mit einem Grundsatzreferat einzuleiten und die Anwesenden auf grüne Tugenden und Themen einzuschwören. Kusstatscher analysierte die Potenziale der Südtiroler Grünen bei den anstehenden Landtagswahlen und schätzte sie in Anbetracht der desaströsen Situation bei der Südtiroler Volkspartei als sehr gut ein.

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Die Grünen haben im Herbst gute Wahlchancen - Sepp Kusstatscher ist optimistisch

Die Grünen müssten sich aber anstrengen und zügig ein attraktives politisches Angebot bündeln, um massiv vom "Bröckeln des ethnischen Kitts" profitieren zu können, der die SVP bisher zusammen gehalten habe. Die laut Aussage von Kusstatscher "schwächelnden" Arbeitnehmer in der Sammelpartei seien nicht mehr in der Lage, auf glaubhafte Weise sozialpolitische Akzente zu setzen, was für die Grünen erheblichen Spielraum biete, vor allem, wenn eine Kooperation mit den BürgerListeCiviche in Form einer gemeinsamen Liste gelingen sollte.

Die ganze Rede von Sepp Kussatscher kann hier nachgelesen werden:
LV GRÜNE 2008 - Rede Sepp Kusstatscher MEP

Der wichtigste Punkt auf der Tagesordnung war die Wahl des oder der Spitzenkandidate/in und es wurde von den Mitgliedern als sehr positiv vermerkt, dass es endlich auch für das grüne Fußvolk wieder die Möglichkeit gebe, wählend dabei zu sein.

Fünf Kandidaten hatten sich der Wahl um Platz eins gestellt: Riccardo Dello Sbarba, Franco Bernard, Irene Senfter, Verena Debiasi und ich. Jeder hatte fünf Minuten Redezeit.

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Mir ist's beim Reden immer ernst - fast zu ernst, wie man hier erkennen kann...

Anbei mein Redebeitrag im Zuge der Kandidatenvorstellung:

LV GRÜNE 2008 - Redebeitrag Kandidatenvorstellung

In der Versammlungsmappe hatte ich mich wie folgt vorgestellt:

Vorstellung LV Grüne 2008 - für Mappe

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Irene Senfter stellte sich selber und die abwesende Verena Debiasi als Kandidatinnen vor - ein gutes Beispiel von Teamgeist!
 
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Der Bio-Landwirtschafts-Unternehmer aus Partschins Sigmund Kripp wird genauso kandidieren, ...

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... wie Franco Nones, Gemeinderat in Bruneck und grünes Urgestein im "Grünen Tal", ...

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... und die Politikwissenschaftlerin und Frauenrechtlerin, sowie Präsidentin von Donne Nissà, Cecilia Stefanelli, die ich für eine besondere sozialpolitische Bereicherung der Kandidatenliste halte.

Kandidatur zurückgezogen
Noch während der Debatte über die KandidatInnenvorstellung habe ich meine Kandidatur für den Platz an der Listenspitze zu Gunsten von Verena Debiasi zurück gezogen, weil ich viel von Verena halte und mich darüber geärgert habe, dass die Bozner Frauen beschlossen hatten, diesmal keine Frau sondern Riccardo Dello Sbarba zu unterstützen.

Natürlich können die Frauen selbst festlegen, wen sie unterstützen, aber für mich war das ein sehr durchsichtiges Manöver und ich weiß, dass einige grüne Frauen über diese Entscheidung gar nicht so glücklich waren. Dass ausgerechnet die von mir so geschätzte Gerda Gius sich auch noch dafür hergab, diese Empfehlung der "Grünen Frauen aus Bozen" in der Versammlung zu erläutern und für Dello Sbarba zu werben, war ein zusätzlicher Grund für meinen Entschluß, zu Gunsten von Verena Debiasi auf meine Kandidatur für die Nummer Eins der Grünen Liste zu verzichten.

Ich finde Riccardo dello Sbarba einen exzellenzen Vertreter der Grünen, auch wenn ich mir manchmal etwas mehr positive Energie "nach innen" von ihm wünschen würde. Das habe ich ihm einige Tage vor der Versammlung auch in einem längeren persönlichen Gespräch erläutert und dabei habe ich auch angekündigt, dass ich mich für Verena stark machen werde. Ich kenne Verena schon sehr lange von den Grünen und von ihrem Umweltengagement her (sie ist auch stellvertretende Sprecherin der Transitinitiative) und weiß ihren Hang zum Teamspiel und ihre Kompetenz, vor allem in Fragen der mehrsprachigen Schul- und Kindergartemodelle sehr zu schätzen. Sie hat das Zeug, bei den Grünen eine wichtige Rolle zu spielen. Als perfekt zweisprachige Südtirolerin und mit einer mehrsprachigen Familienbiographie ist sie für mich auch eine Vertreterin jenes Südtirol, das von den ethnisch getrennt denkenden Parteien der "alten" Schule gern verdrängt wird und das bei den Grünen seine politische Heimat hat.

Standing ovations für Christl Kury
Im Zuge der Debatte kam es spontan und besonders herzlich zu standing ovations für Christl Kury, nachdem Leander Moroder die Gelegenheit nutzte, sich bei ihr für ihren Einsatz zu bedanken. Nachdem Christl Kury nicht mehr zu den Wahlen antritt, wurde kurz über ihr intensives und engagiertes politisches Leben gesprochen und der minutenlange Applaus ließ die Dankbarkeit der Südtiroler Grünen gegenüber der Meraner Oberschullehrerin klar erkennen.

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Standing ovations für Christl Kury - die Dankbarkeit der Grünen gegenüber der "Ikone der Zivilgesellschaft" äußerte sich in minutenlangem Applaus

Da im ersten Wahlgang keine/r der Kandidaten 50% + eine Stimme erreichte, kam es zur Stichwahl, die Verena Debiasi mit 34 gegen 39 Stimmen für Dello Sbarba nur knapp verlor.

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Franco Bernard gratuliert Riccardo Dello Sbarba zur Wahl zum Spitzenkandidaten

Verena Debiasi knapp geschlagen
Ich halte das für sehr gutes Ergebnis. Wie gesagt, Riccardo Dello Sbarba ist ein sehr glaubwürdiger Vertreter der Südtiroler Grünen, ein äußerst intelligenter Mensch mit enormer Bildung und viel politischem Gespür, der auch als Landtagspräsident eine hervorragende Figur macht. Dass Verena Debiasi sehr nahe an ihn heran gekommen ist, ist auch eine klare Botschaft und die Landesversammlung hat damit bestätigt, dass viele Grüne sich Verena sehr gut in einer wichtigen Rolle vorstellen können. Franco Bernard dürfte etwas enttäuscht gewesen sein, aber die Debatte hatte sich darauf zugespitzt, ob ein italienischsprachiger Kandidat oder eine Frau an die Nummer eins gesetzt werden sollte.

Die weiteren Kandidaten
Anschließend stellten sich weitere KandidatInnen vor, die von den Grünen ins Rennen um die Sitze im Landtag geschickt werden. Neben den genannten Riccardo Dello Sbarba, Franco Bernard, Irene Senfter, Verena Debiasi und mir, sind dies Hans Heiss, Sigmund Kripp, Cecilia Stefanelli, Franco Nones, Nadia Degasperi und Valentino Liberto.

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Zwei der Jugend-Kandidaten auf der Liste der Grünen: Valentino Liberto und Nadia Degasperi geben zu berechtigten Hoffnungen Anlass

Wie steht's um die Kooperation mit den ökosozialen Bürgerlisten?
Mit dem Bericht über den Stand der Verhandlungen mit den BürgerListeCiviche war ein zusätzlicher Punkt auf die Tagesordnung gekommen und es war interessant anzuhören, wie Franco Bernard die Sachlage einschätzt. Er scheint sehr professionell und zielgerichtet verhandelt zu haben, denn bei den Grünen kam nie der Anschein auf, dass sie nicht an das im Herbst 2007 ins Auge gefasste Bündnis mit den BürgerListeCiviche glauben würden. Bei den Bürgerlisten gibt es mit Georg Schedereit und Hans Rieder zwei immer stärker als solche in Erscheinung tretende Befürworter eines Alleingangs, die aber zunehmend isoliert dastehen, nachdem auch Elda Letrari am Samstag erklärt hatte, sich engagiert für das Zustandekommen des Bündnisses einsetzen zu wollen.

Alle Fotos: Alex Wallnöfer