Der Einstiegscoup der Leitung des neu eröffneten Museums für Moderne Kunst in Bozen ist geglückt, die Medien überstürzen förmlich in der Reaktion auf die Ausstellung der Arbeit von Martin Kippenberger "Zuerst die Füße" im Eingangsbereich des nagelneuen Museions. Die Neue Südtiroler Tageszeitung berichtet recht gelassen darüber, wohl auch weil Herausgeber Arnold Tribus ein versierter Kenner moderner Kunst ist, was er in seinem Editorial auch bestens herausarbeitet.
Auch wenn es nun aus konservativer Seite und aus Kreisen, die dem "gesunden Volksempfinden" sehr nahe stehen, bzw. es für ihre Zwecke interpretieren heftige Kritik und Beschimpfungen hagelt, orte ich in Südtirol einen gewissen Hunger nach Diskussion und Dialektik und mir kommt es so vor, als habe das neue Museum, für das ich schon Leserbriefe geschrieben hatte, als die "Dolomiten" vor 3-4 Jahren den Bau des Museions öffentlich zur Diskussion stellte, ein gesellschaftspolitisches Ventil geöffnet.
Sehr akzentuiert, ausgewogen und kohärent finde ich die Stellungnahme von Armin Gatterer, Leiter des Kulturamtes des Landes. So macht Kultur, so macht die Reflexion von Zeitgeschehen an der Oberfläche der Gesellschaft Sinn und auch Spaß!
Anbei die Stellungnahme von Gatterer und andere Reaktionen auf zwei Seiten in der "Neuen Südtiroler Tageszeitung", die auch Informationen zu Martin Kippenberger und seinem Werk beinhalten.









Soviel heuchlerisches Gesülze kann ein provokantes Kunstwerk auslösen! Da sitzen sie im Herrgottseck unterm Kruzifix, saufen, erzählen sich Zoten, ziehen die Mädel mit ihren Blicken aus, sind geschieden, reden Übles über den Nachbarn aber wollen das Land mal so richtig ausmisten: Ausländer zu Gülle und Künstler zu Mist verarbeiten. Vor lauter Bigotterie ist die großartige Architektur des Museion nocheinmal ungeschoren davongekommen. Alukiste, ortsfremd, Architektendenkmal, verprasste Steuergelder, Betonröhre, wo bleibt das Holz, die Geranien und das Satteldach - das könnten ein paar Anregungen sein für die strammen Moralwächter. Los - sei kein Frosch! Kunst kommt von Können und nicht von Wollen (der biederen Gutmenschen) sonst hieße es ja Wunst. Schade, dass in pro und contra die Frau Landesrätin landesweit argumentativ so eine ratlose Figur gemacht hat. Hätte sie nur zurückgetreten und angepödert!