Ich kenne Robert Hochgruber schon lange und mir hat immer seine unaufgeregte Art gefallen, mit der er sich als Theologe und Religionslehrer mit viel Engagement und intellektueller Stärke für die Reform der katholischen Kirche eingesetzt hat. Wir sind uns immer wieder begegnet und mich beeindruckt die stimmige Autenzität dieses Menschen, den ich mir sehr gut als einen phänomenalen Priester vorstellen könnte.

robert - Ausschnitt
Robert Hochgruber, das soziale Gewissen der Grünen
(Foto Ingo Dejaco) 

Robert Hochgruber hat eine interessante Biographie. Im Ahrntal geboren, hat er sich nach seinem Theologiestudium in Sand in Taufers um den Aufbau der katholischen Jugendarbeit gekümmert und war dann auch vier Jahre als Mitarbeiter in der Entwicklungszusammenarbeit und mit seiner großen Familie - Robert und Martha Hochgruber haben vier Kinder - in Papua Neuguinea.

Wieder nach Südtirol zurückgekehrt, nahm Robert Hochgruber eine Stelle als Religionslehrer an und unterrichtet seither am Wissenschaftlichen Gymnasium und an der Gewerbeoberschule in Brixen. Robert Hochgruber engagiert sich auch bei den Grünen und hat für die soeben zu Ende gegangenen Parlamentswahlen für die Grünen auf der Regenbogenliste als Senatskandidat im Wahlkreis Brixen/Pustertal kandidiert. Ich habe ihn dabei gerne begleitet und mir hat sehr gut gefallen, dass Robert Hochgruber sagt was er meint und tut, was er sagt - er ist ein sehr glaubwürdiges soziales Gewissen der Grünen und hat dezitierte Positionen zu Immigration, internationaler Solidarität, Globalisierung und christlichen Werten in zeitgemäßer Interpretation.

Heute ist in der FF ein Leserbrief von Robert erschienen, in dem er Stellung zum Pahlschen Ausritt von letzter Woche nimmt (siehe dazu auch den Eintrag im Blog weiter unten). Für mich ist das ein bemerkenswertes Dokument und ein wichtiger Zwischenruf.


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Eine Front, die sich aufbaut

ff 15/08 brachte einen Auszug aus dem neuen Buch des SVP-Landtagsabgeordneten Franz Pahl über den Islam


Ich bin überzeugt, dass Franz Pahl nicht an das glaubt, was er im Buch über den Islam geschrieben hat. Die Äußerungen in diesem Buch sind unter seinem intellektuellen Niveau. Ich kenne Franz Pahl seit unserer Zusammenarbeit in der christlichlichen Jugendarbeit. Er war und ist ein scharfsinniger Analytiker. Deshalb kann ich mir nicht vorstellen, dass er daran glaubt, dass eine Weltreligion grundsätzlich gewalttätig ist, dass der orthodoxe, sich als rechtgläubig verstehende Islam die weltliche Welt überrumpeln will und wir von ihm bedroht werden, wenn wir uns unserer Identität bewusst sind.

Es gibt Probleme mit der Integration der neuen Mitbürgerinnen und Mitbürger unter anderem auch, weil sie Moslems sind. Es gibt die Heißsporne, die Islamisten, die vor Gewalt gegen andere und sich selber nicht zurückschrecken, die fanatisiert sich politisch missbrauchen lassen. Franz Pahl weiß, dass diese laut Experten etwa 20 Prozent ausmachen. Ich bin überzeugt, dass er dies auch bedacht hat. Deshalb kann ich mir nicht erklären, warum er entschieden hat, den Islam insgesamt als Religion zu diskreditieren, ihn nur von seiner gewalttätigen Seite darzustellen, die Ängste der hier lebenden Bevölkerung zu verstärken, den Neid um Sozialleistungen unter den Ärmsten zu schüren, die Menschen mit ihren Bedürfnissen und ihren positiven Seiten außer Acht zu lassen.

Er wird mir vermutlich darauf keine Antwort geben, sondern in brillanter, aber beängstigend verallgemeinernder, ja fast totalitärer Art und Weise seine Meinung wiederholen – vertrauend auf die Wirkung bei unsicheren und wenig informierten Personen. Franz Pahl wird mich als Idealisten abtun, der die Wirklichkeit, so wie er sie sieht, nicht wahrhaben will.


Aber ich lasse mir keine Feindbilder einreden.


Nachdem der Kommunismus ausgedient hat, scheint jetzt der Islam an die Reihe zu kommen. Ich weigere mich, für undurchsichtige politische Zwecke benutzt zu werden. Ich möchte mit Moslems gut zusammenleben und weiß, dass das möglich ist.


Robert Hochgruber, Tschötsch/Brixen